KOLUMBIEN || DA FEHLEN SOGAR UNS DIE WORTE

KOLUMBIEN || DA FEHLEN SOGAR UNS DIE WORTE

Wir sind uns inzwischen einer Sache sicher: “Normal” gibt es bei uns nicht. Jede Situation ist ein Erlebnis für sich, jede Nacht wird zum Tag und eine Bootsüberfahrt gleicht “Titanic 2”. Langweile ist eben ein Fremdwort für uns – vor allem in Kolumbien.

Mittwoch: Heute stehen wir früh auf, hüpfen in unsere Sportsachen und machen uns auf dem Weg zu einem naheligendem Park. Yoga und Fitnesszirkel ziehen mit unserem Pizzabauch in den Krieg. Die Kategorie “Sport” ist schließlich nicht umsonst auf unserem Blog. Vorher wollen wir nur noch kurz Wasser im Supermarkt kaufen. Uj, heute gibt es Live-Verkostungen. Wir essen uns durch jeden Stand durch, loben die Küche in höchste Tönen und finden 13 neue Freunde (die Köche). Für Sport sind wir jetzt jedoch einfach zu voll. Die Kategorie “Food” liegt uns eben auch ziemlich gut.

Im Hostel, nach fünf Tagen schon unser Zuhause, empfiehlt uns der dauerfeiernde Australier (Sind das nicht alle Australier?) in höchsten Tönen eine Insel vor Cartagena namens Isla Grande. “You have to go there. It´s a paradise.” Gesagt, getan. Wir buchen für die zwei Nächte dort zum ersten Mal auf dieser Reise ein Hotel. Man gönnt sich ja sonst nichts. Kurz darauf machen wir uns auf dem Weg zum Bahnhof, erwischen unseren Bus in letzter Sekunde und stellen uns auf die geplante 12-stündige Busfahrt ein. Es werden 19 Stunden.

Donnerstag: Cartagena ist ein Traum und wir wollen für immer hier bleiben. Da uns jeder Traveller von dieser Stadt abgeraten hat (“teuer, langweilig, unnötig”) haben wir nur eine Nacht gebucht. Egal, wir genießen jede Minute. Wir erkunden die Altstadt, futtern uns durch alle Essenstände durch, tanzen Salsa mit den Straßenmusikern, retten die Kutschenpferde, erobern einfach die ganze Stadt.

Unser Hostel ist kein Partyhostel. Das hindert uns nicht daran, abends alle zu einer Homeparty zu bewegen. Nach der Homeparty gehen wir in einen Club. Dieser Club ist wirklich genial: Elektro, Rooftop – sogar kleine Bungalows und einen Darkroom gibt es. Stopp, Moment. Darkroom? Durch unsere Tequila-Brille bemerken wir: hier sind nur Männer. Heiße Männer. Sich küssende Männer. Wir finden gleich zwei Seelenpartner, die die männlichere Version von uns sind. Zusammen geht es in den nächsten Club. Same Story. Im zweiten Club sind die zwei Jungs an der Kasse uns so sympathisch, dass es ab nun zu sechst weiter geht.

Freitag: Schon nüchtern ist eine Bootsüberfahrt im karibischen Meer abenteuerlich. Wenn man direkt aus dem Club kommt, ist diese Reiseart mehr als extrem. Unser Taxifahrer bringt uns zum “Hafen”. Wer braucht schon den normalen Hafen, wenn man auch am Fischerhafen ablegen kann. Es ist unfassbar dreckig, laut, wild und es stinkt bestialisch nach Fisch. Auf dem Boden ist der Grund klar: der Hafen ist eine Art Insel – gemacht aus Müll und toten Fischen. Der Tequila bahnt sich seinen Weg nach oben. Außerdem sind wir wohl die ersten Ausländer seit Jahren an diesem Ort. Zusammen mit unseren Riesenbackpacks und der Rest-Schminke des Vorabends wirken wir wie Aliens. Zusammen mit 45 anderen quetschen wir uns in einen kleinen Fischkutter. Empfohlene Maximalperson: 30. Wir müssen uns durchkämpfen, um an Rettungswesten zu kommen. Die Überfahrt ist billig, das muss man dem Kapitän lassen. Und auch sonst manövriert er uns sicher, wie es nur ein echter Fischhafen-Kapitän machen kann, bis auf Isla Grande. Endlich, die angepriesene Trauminsel.

Die Ankunft ist nüchtern. Statt einem Zimmer wurde uns ein Zeltplatz reserviert. Blöd, dass wir kein Zelt haben. Mit Bitten und Betteln bekommen wir ein Zimmer – allerdings zu einem überzogenem hohen Preis. Und es ist kein Zimmer im Hotel, sondern ein Raum in der Angestelltenunterkunft. Ohne Dusche und mit sechs Betten, die den gesamten Raum zustellen. Egal, wir sind auf einer Karibikinsel.

Kolumbien Erfahrungsbericht

Samstag: Guten Morgen, Eco Hotel La Cocotera. Wir haben ein Problem miteinander. Wir sind empathische Menschen, die Stimmungen schnell wahrnehmen und stark auf alle Umgebungsaspekte reagieren. Die Menschen, die hier arbeiten sind schlichtweg furchtbar und wir flüchten nach ein paar Stunden raus aus dem Resort. Eher durch einen Zufall landen wir an dem wohl schönsten Strand dieser Welt. Den ganzen Tag verbringen wir in dieser Raffaelo-Werbung, umgeben von türkisem Wasser, hotten Kolumbianern und der perfekten Laid Back-Stimmung. Sobald es dunkel ist, ist es jedoch leider zu gefährlich und wir müssen zurück. Stimmung: Eiszeit.

Wir philosophieren darüber, woran es liegt, dass wir uns so unwohl fühlen. An dem “Zimmer”? Der Termitenplage am Strand? Den motorölverseuchtem Meer? Den respektlosen Mitarbeitern? Wir werden es wohl nie herausfinden 😉 Aus Mexiko sind wir viele Unterkünfte ohne Wasser, Strom oder nur Fenster gewöhnt. Daran liegt es nicht. Es geht darum, dass wir eine Menge Geld für eine Menge Mist bezahlt haben. Und wie es als Backpacker eben ist: das Geld ist knapp.

Sonntag: Endlich. Endlich holt uns ein Boot weg von dieser Insel. Die letzten Stunden sind wir am Termitenstrand. Die Situation mit den Angestellten eskaliert, als sie uns zum gefühlt zehnten Mal weniger Geld zurück geben wollen. Wir versuchen es mit unserer liebsten Taktik: Bad Cop – Good Cop. Lara reagiert emotional und Rebecca bleibt sachlich. Dann kommt das Boot. Wir sind gerettet. Denkste! Die nächste Stunde reihen wir ins unseren Top 10 der “da wars ganz knapp”- Situationen ganz weit oben ein. Das Meer ist wild, zu wild. Die Menschen in den vorderen Reihen knallen hart bei jeder der riesigen Wellen auf die Holzbank. Die Menschen in den letzten Reihen sind schon nach ein paar Minuten vollkommen nass.

Wir sitzen in der Mitte und haben eigentlich den Spaß unseres Lebens. Zwar hüpfen auch unsere Hintern immer wieder fast aus dem Boot, zwar sind auch unsere Oberkörper durchnässt, aber wir nehmen es als gratis Achterbahnfahrt. Inklusive GoPro-Verfilmung. Wir lachen in einer Tour, teilweise auch aus Angst, aber vor allem aus Spaß. Die Frau neben Lara zerdrückt ihr die Hand. Leute schreien. Auch der Fahrer sieht besorgt aus und der zweite Fahrer legt sich ausgestreckt auf den Boden. Ein super Zeichen. Wir besprechen alle Notsituation durch. Ob das Boot kippt, zerbricht oder Wasser eintritt, wir sind mit allen Plänen ausgestattet. Dazwischen kommen wieder die Lachanfälle, das Filmen, das Kreischen und das Handzerdrücken. Wieder besprechen wir die Strömungen und was “Hilfe” auf Spanisch heißt. Mit rotem Gesicht vor Lachen, vielen blauen Flecken und nass kommen wir wieder in Cartagena an. Diesmal sogar am richtigen Hafen. Jackpot.

Schnell finden wir unser Hostel, da es mitten in der wunderschönen Altstadt liegt. Bunte Häuser im Stil italienischer Kleinstädte reihen sich an tiefroten Blumen und malerischen Gärten. Wir haben das Zimmer mit Balkon direkt auf den Marktplatz, der über und über mit Lichterketten geschmückt ist. Abends feiern wir in erster Linie: unser Leben. 😀

Montag: Wir schlafen bis 11:55. Um 12:00 ist Check-Out. Pünktlich um 11:59 checken wir aus und lassen unsere Backpacks noch kurz im Hostel, um kurz Frühstücken zu gehen. Wir verbringen vier Stunden bei “Crepes & Waffles”. Zurück im Hostel schlafen wir ein und wachen erst Abends wieder auf. Eigentlich wollen wir Cartagena sowieso nicht verlassen, also buchen wir eine weitere Nacht. Die Hostel-Besitzerin kommentiert die Situation nur mit “you´re crazy” und weist uns wieder die selben Betten zu. Zusammen mit den anderen zehn Leuten aus unserem Zimmer feiern wir die Nacht im gleichen Club wie gestern durch. Der Türsteher kennt uns schon, der Barkeeper gibt uns jedes zweite Getränk gratis, die Klofrau verlangt keinen Eintritt mehr. Freudentaumel. Wir sind angekommen. In Kolumbien. Bei uns. 

 

Alle Insider Tipps, genauen Routen, DOS und DONT´S werden wir in mehrere Beiträge packen, um euch für Kolumbien optimal vorzubereiten.

 

 

Über die Autorin

Leave a Reply