VEGAN MIT GRUND: WIESO MIR NICHT MEHR ALLES SCHEISS EGAL IST

VEGAN MIT GRUND: WIESO MIR NICHT MEHR ALLES SCHEISS EGAL IST

Beim Thema Ernährung schnürt es mir Angesicht zu Angesicht oft die Kehle zu. Wenn mein Gegenüber meint: “Ich bin Sekundär-Vegetarier. Ich esse nur Tiere, die Gemüse essen. Warum machst du dir mit deiner Ernährung das Leben so schwer?”, überkommen mich meine Emotionen, sodass ich gar nicht weiß wo ich anfangen soll. Auch möchte ich der Person nicht den Appetit verderben. Zu erklären, was ich von Massentierhaltung und Schlachthäusern halte, während die Person ein frittiertes Hühnerbein isst, würde wahrscheinlich nur zu einem Konflikt führen. 

Es ist auch schwierig diesen Beitrag zu verfassen, ohne dogmatisch zu wirken und dennoch nicht die Situation zu verharmlosen. Ich akzeptiere jeden Fleischesser, selbst wenn ich mir wünsche, dass das Bewusstsein diesbezüglich wächst. Diese Toleranz wird mir aber häufig nicht erwidert. Aber fangen wir von ganz vorne an…

So bin ich aufgewachsen

Meine aus dem Iran stammende Mutter verwöhnte mich schon immer und Fleisch war fester Bestandteil ihrer persischen Küche. Bis zu meinem dreizehnten Lebensjahr genoss ich das irrsinnig. Meine erste Konfrontation mit der Industrie hinter dem Fleisch auf meinem Teller kam in Form von Straßen-Aktivisten, die brutal-ehrliche Aufnahmen von Schlachthäusern abspielen und einen veganen Lebensstil bewerben. Ich kam bestürzt und verweint nachhause und verkündete: “Ich esse kein Fleisch mehr.” Meine liebenswerte Mutter unterstützte mich darin, weniger Fleisch zu essen. Es ganz weg zulassen kam zu dem Zeitpunkt für sie nicht in Frage.

vegane-ernährung-erfahrung

Jeder Anfang ist schwer

Ich war früher schon begeistert wenn andere Vernunftbegabte die Eier hatten, auf Fleisch zu verzichten. Mir selbst traute ich das nicht zu, empfand es sogar als eine utopische Vorstellung. Heute weiß ich, dass ich aus Ignoranz und Faulheit weiter Tiere aß.

Vor ungefähr drei Jahren juckte es mich wieder. Nach dem Motto ganz oder gar nicht, sah ich mir die knallharte Dokumentation “Earthlings” an. 973296 Tränen später fiel der Entschluss: Ich lebe ab jetzt Vegan. (Info anbei: Vegane Ernährung streicht Fleisch und sonstige tierischen Produkte wie zum Beispiel Milch, Eier und Käse vom Ernährungsplan komplett aus.) Nach einiger Recherche und einem Monat später konnte ich auch meine Mutter davon überzeugen, dass ich nicht sterben werde wenn ich keine Tiere mehr esse.

Es war nicht einfach: Das Umdenken, das Kochen neuer Rezepte, das Rechtfertigen. Aber auch das pendelt sich ein. Aus “Ich kenne mich nicht aus” wurde einer Ernährung, die meinem Körper und meiner Seele gut tut und mit meinem Gewissen und meinen Werten übereinstimmt. Das Wissen, dass für meinen Genuss kein Tier mehr sterben muss, ist unbezahlbar befreiend.

Vegane-Ernährung

Hinter jedem Steak, jeder Wurst & Co steckt ein Tier

Es stimmte für mich einfach nicht überein, mich für den Tierschutz einzusetzen und am Abend eine Schnitzelsemmel zu essen. Im Supermarkt zu stehen und nicht nur Steak, Wurst und Leber-aufstrich zu sehen, sondern ein Huhn, ein Rind oder ein Schwein. Das zu realisieren war für mich der Wendepunkt.

Nach zig Dokumentationen und Büchern konnte ich  die Realität nicht mehr ignorieren. Heute sehe ich wie ein Zuchttier gelebt  hat, nämlich gar nicht. Wie man das Kalb von seiner Mutter trennt. Wie die Melk-Kuh durch den Stress, die Erschöpfung, das Befruchten das für mich einer Vergewaltigung gleicht und durch das “übermelken”, nur vier Jahre alt wird und keine wie sonst möglichen zwanzig. Wie das Kalb nicht auslaufen darf, in einer winzigen Zelle für ungefähr 5 Monate “lebt” und sich nicht wirklich bewegen kann, nur damit das Fleisch zart bleibtWie wir Menschen uns das Recht nehmen und Tiere, die wir verzehren, objektifizieren. Die Idee, dass andere Lebewesen weniger Wert sind, man ihnen jegliche Form von Freiheit nimmt, nur damit ich dann ein Tier esse, im Zoo anschauen oder sonst was kann, löst Wut, Trauer, Enttäuschung und Kotzreiz in mir aus.

Wir sind unterschiedliche Lebewesen, aber gleichwertig.  Wir Menschen wollen keine Schmerzen spüren und so wollen das auch Tiere nicht. Sie sind kein Objekt. Sie sind kein Produkt. Sie sind auf dieser Welt und sind sich dessen genau wie wir bewusst. Schmerz ist Schmerz, egal ob Mensch oder Tier.

nachhaltig-leben

Da stellt sich doch die Frage: Lohnt sich das Leid, dass sich hinter meinem Genuss steckt?

Gesundheit – “Du bist was du isst”

Früher musste ich mit starker Gastritis kämpfen, bis nichts mehr im Magen blieb. Keine Diät half, außer die Vegane. Ich fühle mich nun fitter und meine Blutwerte sind besser denn je. Ebenso ist meine früher sehr schmerzhafte Neurodermitis viel schwächer.

Fleisch gilt laut Nahrungsmittelindustrie als wichtigste Protein-, und Eisenquelle, bei Fisch soll es das wertvolle Omega-3 sein und Milch gilt bis heute als Haupt-Kalziumquelle. Fakt ist: Die Lebensmittelindustrie ist voller Lügen! Die ach so unersetzbaren Nährwerte kann man auf eine viel gesündere Art und Weise aufnehmen. Im Supermarkt gibt es zum Fleisch nämlich gleich auch noch ein Haufen gesättigte Fette, Hormone und Antibiotikum dazu. Die Folgen eines hohen Fleischkonsums sind unter anderem Krebs, Bluthochdruck, Diabetes oder Herzkrankheiten. Auch Fischkonsum kann dank Umweltgiften und Schwermetallen wie Quecksilber schwer schädlich für unsere Gesundheit sein. Milch sorgt laut Fernsehwerbung und Verpackung für starke Knochen und ein gesundes Wachstum bei Kindern. Doch es gibt unzählige Studien, dass Länder mit einem hohen Milchkonsum eine stark erhöhte Anzahl an Knochenschwund und Osteoporose in der Bevölkerung aufweisen.

Nein, auch ich bin nicht perfekt

Genauso wenig wie es “den Fleischesser” gibt, existiert der typische Veganer. Was es gibt, sind Klischees und Schubladendenken auf beiden Seiten. Mehr gibt es Individuen, die passiv oder aktiv Entscheidungen treffen. Auf meiner Reise alleine durch Südamerika ernährte ich mich zu 50% vegetarisch und zu 50%  vegan, da es nicht viele vegane Möglichkeiten gibt. Auch wenn ich psychisch in einer schlechteren Verfassung bin, greife ich zu Käse oder Schokolade. Nur weil sich jemand grundsätzlich vegan ernährt und vielleicht einmal doch aus welchem Grund auch immer einen Fisch oder eine Scheibe Käse isst, ist das kein böser Regelbruch. Denn es gibt keine allgemeinen Regeln, jeder macht sich seine Eigenen. Mehr geht’s um einen bewussten Lifestyle. Einen Lifestyle, der für einen Selbst vertretbar ist.

vegane-ernährung-persönliche-meinung

Heute ernähre ich mich zu 95% Vegan. Es gibt Ups und Downs. Doch Aufgeben ist keine Option.Was ich damit sagen möchte? Ich bin nicht perfekt, wir sind es alle nicht. Was zählt ist, sein Bestes zu geben. 

Wieso mir nicht mehr alles scheiß egal ist

Was meine Vorstellung von einer funktionierenden Gesellschaft ist? Eine, die mehr im Einklang mit ihrer Umwelt lebt. Und anstatt hier aufzuhören zu denken und anzufangen zu meckern, habe ich etwas verändert. Da wo es möglich war, nämlich bei mir selbst. Denn wenn ich in einer einfühlsamen Welt leben will, in der  man versteht, dass ein Tier, genauso wie wir, am Leben ist und Gefühle wie Einsamkeit, Trauer, Angst hat, müssen meine Handlungen auch Barmherzigkeit wiederspiegeln.

Es hat mein Selbstvertrauen gestärkt. Einfach weil meine Meinung und meine Taten übereinstimmen. Weil ich mein Wort gegenüber mir selbst halte, weil ich mir vertrauen kann und das auch praktisch umsetze. Inzwischen nehme ich mir was ich vom Leben will und kenne meine Vision. Und diese Vision wurde Wirklichkeit, nachdem ich diese für mich wichtige Entscheidung traf, mich vegan zu ernähren.

Mach dich schlau & probier’, bevor du urteilst

Dokumentationen

Earthlings
https://www.youtube.com/watch?v=GlJPgpGb-gg

Cowspiracy
http://www.dailymotion.com/video/x2zuhks

What The Heath
http://www.whattheheathfilm.com

7 Tage Vegan Challenge

Podcast

DariaDaria
https://www.dariadaria.com/home/wiesolebeichvegan

Proud To Be Sensibelchen
http://www.proudtobesensibelchen.de/folge/022-wie-mir-meine-vegane-ernaehrungsmacke-geholfen-hat/

Bücher

Peace Food: Wie der Verzicht auf Fleisch Körper und Seele heilt – Rüdiger Dahlke

Friss oder Stirb – Clemens G. Arvay

The China Study – T. Colin Campbell

Online PDF – Unsere Ozeane: geplündert, verschmutzt und zerstört

Über die Autorin

5 Comments

  • Nikola Januar 16, 2018 at 1:09 am

    Ganz toller Beitrag. Mir kullern immer fast ein bisschen die Tränen, wenn ich von anderen bewusst lebenden Menschen lese, die ihre Lebensweise teilen und versuchen anderen einfühlsam zu erklären, warum sie es so für das Beste halten. Ich danke jedem einzelnen nicht dogmatischen Veganer dafür, dass er hilft die Welt ein Stück besser zu machen. Stück für Stück werden die Menschen sehen, dass es geht und das es richtig ist, wenn wir es ihnen einfach vormachen. Ganz ohne Vorwürfe. Die schlimmsten Diskussionen entstehen ja erst, weil sich die Menschen angegriffen fühlen, obwohl man das gar nicht möchte. Sie wissen einfach unterbewusst schon, dass es scheußlich ist was sie machen. Ich versuche so behutsam wie möglich mit dem Thema umzugehen, ich weiß inzwischen wie sensibel die Menschen auf das Thema reagieren. Ich denke eben weil sie wissen, dass sie Tiere töten und sich instinktiv dafür rechtfertigen wollen. Es gibt jedoch eine Anfeindung, bei der ich nicht ruhig bleiben kann. Am Lustigsten sind nämlich die, die behaupten unsere Ernährung könne ja gar nicht die richtige sein, weil wir extra mit Vitaminen supplementieren müssen (Veganer wissen, ich rede von B12). Bei der Argumentation platzt mir dann immer fast die Hutschnur, weil ich mir immer denke: Menschen stopfen so viel unnötiges Zeug in sich rein. Künstliche Aromastoffe, chemischen Zucker etc…einfach nur weils schmeckt…das ist alles ok. Aber wenn wir etwas extra in uns rein stopfen, um damit Leben zu retten..dann kann das nur falsch sein…Menschen sind so absurd.
    In diesem Sinne danke für Deine Arbeit und viel Spaß weiterhin in der Schule des Lebens! 🙂

    Alles Liebe
    Nikola

  • Sylvie November 13, 2017 at 1:44 pm

    Liebe Rebecca,

    ich finde deinen Post wirklich schön und lese diese Werdegänge unglaublich gerne. Den Fokus auf den Imperfektionismus finde ich total wichtig. Die Welt braucht ein paar mehr von deiner Sorte. <3

    Love, Sylvie

    • mm
      Moresmore November 14, 2017 at 7:53 am

      Hey Sylvie!

      Du hast es in 2 Sätzen ausgedrückt – ich steh bei dir!

      Danke für dein liebes Feedback.

      Ganz viel Liebe
      Rebecca

  • Mira November 13, 2017 at 11:19 am

    Liebe Rebecca,
    Ich glaube du bist die erste Person die ich kenne, die tatsächlich von Straßenaktivismus ihre Meinung zum Fleischkonsum geändert hat. Ich habe in meiner Jugend in Graz diese Videos am Hauptplatz als Dauerschleife gesehen und es hat einfach nichts an meiner Entscheidung Fleisch zu essen geändert! Das ist echt furchtbar, wie unsensibel man da ist. Bei mir waren es schlussendlich auch die Dokumentationen, die mich zu Umdenken gebracht haben.
    Was ich auch total lustig fand, war dass mir meine Ärztin letztens einreden wollte, dass ich Vitamin D auch durch Milchprodukte aufnehmen könne. Da sieht man mal was für ein falsches Bild wir alle noch immer haben. Gerade Ärzte, von denen man denken sollte, dass sie Ahnung haben – Dabei lernen die echt wenig über Ernährungswissenschafften – und was uns tatsächlich gut tut.

    Ich finde deinen Beitrag auf jeden Fall sehr motivierend. Bin ja selbst nur so 95% vegan.
    Alles Liebe,
    Mira

    • mm
      Moresmore November 19, 2017 at 6:15 pm

      Hey Mira!

      Das Beste in deinem Kommentar: “nur 95% vegan”. Das ist schon sowas von toll und jeder Schritt und jede Entscheidung die man Tag für Tag trifft zählt / macht einen Unterschied.

      Danke für dein Feedback.
      Viel Liebe

      Rebecca

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