ES BRAUCHT VIEL, UM EIN GEBROCHENES HERZ ZU HEILEN

ES BRAUCHT VIEL, UM EIN GEBROCHENES HERZ ZU HEILEN

“Ich kam, sah und verlor.” Wie ich mein Leben wieder auf die Reihe brachte, nachdem mein Herz und mein ganzes Wesen von der Person gebrochen wurde, von der ich es nie gedacht hätte. 

Weinen, schreien, werfen

Zuerst kam sie: die Trauer. Die Trauer über die Zukunft, die mir einfach weggenommen wurde. Die Trauer darüber, dass ich mich in mir selber und vor allem in der Liebe zu einem anderen Menschen getäuscht hatte. Das alles, was mir doch das Wertvollste war, nie wirklich existierte. Das alles, was für mich in meinem Kopf schon für die Zukunft fixiert war – ein Leben als Team – nie wieder existieren würde. Die Trauer über mein Ur-Vertrauen in mich und in meine Entscheidungen, das von einer Sekunde auf die nächste zerstört wurde. Ich verschwand beinahe in diesem Selbstmitleid. Mein gesamtes Wesen, mein Glaube an das Gute, verschwand hinter dieser grauen Trauerwolke. Warum ich? Warum jetzt? Warum er? Ich warf Teller, Tassen und Gläser an die Wände und auf den neuen Küchenboden. Ich warf Bücher, Stifte und Kleidung durch unsere frisch bezogene Wohnung. Ich rannte, bis mein Herz lauter klopfte als meine Stimmen im Kopf schrien. Erst mussten Wochen, nein Monate, vergehen bis all dieser Schmerz aus mir raus war.

Die Angst vor der Zukunft verlieren

Anfangs hatte ich neben der Trauer und der Wut vor allem ein Gefühl: pure Angst. Angst vor dem Alleinsein, Angst vor der neuen finanziellen Situation, Angst nie wieder wahres Glück zu fühlen, Angst vor diesem Menschen. Angst wurde zu meinem dauernden Begleiter. Am Ende hatte ich sogar Angst vor meinen zukünftigen Entscheidungen – würden sie mich in genauso beschissene Situationen bringen wie meine vorherigen? Kann ich mir selbst überhaupt noch trauen? Ich war mir doch so verdammt sicher! Wollte doch unbedingt dieses neue, geordnete, monogame Leben. Ich öffnete mein Herz und meine Seele voller Enthusiasmus und am Ende spürte ich nur noch Angst. Es dauerte lange, brauchte viele Gespräche, viele Drinks, neue Perspektiven und eine große Prise Mut um aus diesem Teufelskreis wieder raus zu kommen. Diesen Ängsten musste ich mich stellen, ihnen die Luft aus den eigentlich leeren Argumenten nehmen. Eine falsche Richtung ist keine Sackgasse und „alleine“ ist nicht gleich „einsam“. Und eine Zeit lang ist das Leben nach der Trennung eines geliebten Menschen vor allem eines: beschissen.

Den Verrat vergeben

Erst dachte ich nur an Rache. Ich wollte nicht vergeben, ich wollte Vergeltung. Ich wollte meinen Schmerz auf ihn übertragen, ihn das gleiche fühlen lassen. Auch er sollte sein Leben nicht mehr leben können, Panikattacken haben, Angst vor der Zukunft, Heulanfälle. Wäre das nicht das einzig faire Mittel? Wahrscheinlich wäre es das und vielleicht hätte ich mich auch besser gefühlt. Doch am Ende wollte ich doch für mich wieder auf die Beine kommen. Es ging nicht mehr um uns oder um ihn, es gab nun nur noch mich. Und ich hatte keine Zeit meinen Schmerz auf ihn zu übertragen, ich musste weiter wachsen. Raus aus diesem Umfeld, raus aus diesen Erinnerungen. Ich vergab, um mich neu zu erfinden.

Erkennen: auch andere Mütter haben schöne Söhne…

…und all die anderen Sprüche endlich ernst nehmen. Anfangs machten mich diese Bauernfloskeln wütend und ich schnaubte entnervt, doch je länger ich darüber nachdachte desto wahrer wurden sie. Meine Favoriten waren übrigens „Besser ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende“ und „Auch andere Mütter haben schöne Söhne“. Ein Ende tut so unfassbar weh, und trotzdem ist es noch grausamer in der Welle von schlechten Gefühlen, Taubheit und Wut weiter zu schwimmen. Ich musste aus dem Wasser, um mich nicht selbst zu verlieren.

Den Verlust als Chance nutzen…

…also ging zum Yoga und fing an zu meditieren, ich aß gesünder und ausgewogener (und noch mehr Schokolade zwischendurch – für die Seele 😉 ), ich kreierte neue Rituale, ich schrieb meine Gedanken wieder nieder, ich log mir nichts mehr im Leben schön, ich achtete auf mich und meine Bedürfnisse, ich sog Wissen aus allen möglichen Disziplinen auf, ich tanze wieder Nächte durch, küsste wieder Fremde, verbrachte mehr und intensiver Zeit mit meiner Familie und Freunden. Es wäre eine Lüge, wenn ich sagen würde “alles ist jetzt besser”. Es ist kein Besseres, sondern einfach ein anderes Leben. Ich ließ den grauen Nebel der Trauer, Wut und Rache hinter mir.

Über die Autorin

7 Comments

  • Mira Oktober 28, 2017 at 7:46 pm

    Liebe Lara,
    was für ein starker, berührender Text!
    Ich kann deinen Schmerz und deine Wut da so gut noch voll ziehen, und möchte mich am liebsten sofort mit dir verbünden! Aber wie du es auch hier richtig geschrieben hast, Zeit für sich zu nehmen und seinen eigenen Bedürfnissen nachgehen ist wahrscheinlich wie so eine Wunderwaffe in solchen Situationen!
    Ich wünsch dir ganz viel Stärke! (aber die hast du eh sowieso)
    Alles Liebe,
    Mira

  • Roya Oktober 28, 2017 at 1:27 pm

    Liebe Lara, dein Bilder schauen so TOLLaus ,so BEFREIT , hoffnunngsvoll und Blick nach vorne(Rauf).
    ja so Positive Energie strahlst Du wie immer aus .. Hoch Achtung! <3

  • Chiara Oktober 26, 2017 at 10:35 pm

    Unglaublicher Text. Schwierig in worte zu fassen, was ich beim Lesen alles gefühlt habe. Viel hab ich gefühlt!
    So viel, dass ich als stiller Leser nun auch das erste Mal einen Kommentar schreibe!
    Danke, für die Hoffnung und das Beispiel, dass man aus jedem noch so tiefen Loch rauskommen kann!
    Danke 💋
    Chiara

    • mm
      Moresmore Author Oktober 27, 2017 at 1:13 pm

      Liebe Chiara,
      erst einmal freut es mich immer besonders, wenn stille Leser sich zu Wort melden 🙂
      Vielen, vielen Dank für deine schönen Worte! Ich dachte wirklich nicht, das ich aus diesem Schmerz rauskomme und es dauert noch an ..
      aber es geht tatsächlich und der Neuanfang bietet so viel neue Möglichkeiten.
      Alles liebe <3 - Lara

  • Timo Oktober 26, 2017 at 8:55 pm

    So ein toller Beitrag! Euer Blog ist zu einem meiner Lieblinge geworden und eure Texte sind einfach so inspirierend. Ich finde es toll, dass ihr auch Liebeskummer anspricht und so offen mit diversen Themen umgeht. Ganz viel Liebe ❤
    Timo

    • mm
      Moresmore Author Oktober 26, 2017 at 8:58 pm

      Timo, dieses wunderschöne Kompliment können wir dir (euch) nur zurück geben <3 Vielen, vielem Dank!

    • Roya Oktober 27, 2017 at 12:15 am

      <3 so ist Das <3..Ja Das Leben geht immer weiter.

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