6 MONATE ALLEINE AUF REISEN || WAS ICH BISHER GELERNT HABE

6 MONATE ALLEINE AUF REISEN || WAS ICH BISHER GELERNT HABE

Mein Alltag in Wien wurde von dem Terminkalender regiert. Mindestens eine Woche vorher plante ich meine sieben verfügbaren Tage durch. So macht man das halt, bei uns. In der hochmodernen, schnellen Arbeits- und Lebenswelt. Was sich, neben dem Verzicht auf ein Leben nach Terminplan, noch so alles in einem halben Jahr Auswandern bei mir geändert hat? Das erfahrt ihr nun. 

Tschüss, durchgeplantes Leben 

Wir wissen es ja eigentlich alle, unsere Zeit ist kostbar. Eine Woche besteht aus 168 Stunden. Minus der 56 Stunden Schlaf bleiben uns 112 Stunden zur freien Verfügung. Nein, Lüge. Uns bleiben jene Stunden, die nicht mit Arbeit, Studium und der Erledigung wichtiger Sachen wie “Glasreiniger besorgen” gefüllt sind. In Wien war jede freie Minute verplant. Mein Kalender, meine Hirnhilfe. Kennt ihr das? Wenn ihr zeitlich bis an die Grenze verplant seid, ihr euch jedoch nicht vollkommen fühlt? Immer auf der Suche nach etwas, dass euch zufrieden macht? Dafür brauchen wir Lücken. Scheint erst mal komisch. Wieso sollte eine Lücke mit gleich mehreren anderen Lücken gefüllt werden? Doch, das geht. Sie symbolisieren die “Das probiere ich irgendwann einmal aus”-Zeit. Hetzt nicht von A nach B. Sonst könnt ihr weder A, noch B, noch die Zeit dazwischen wirklich ausnutzen. Eure Produktivität und Lebensqualität wird rapide sinken.

Die Menschen die ich bisher auf meiner Reise kennengelernt habe, haben ebenso einiges zu tun. Viel Arbeit, viel Verpflichtungen. Was ist nun der entscheidende Unterschied in ihrer Lebensweise zu unserer? Sie nehmen sich Zeit zum Ausgleich. Sie treffen sich mit Freunden zum Frisbee spielen, treffen Mama auf einen langen Spaziergang. Oft sind wir so verbissen in unserer Routine drin, dass wir ganz vergessen was es bedeutet das Leben mit etwas mehr Leichtigkeit zu nehmen. Die Arbeit oder die Uni ruft und ich muss den Bus um 12:47 erwischen. Ich muss dieses, ich muss jenes. Wie viele Dinge stehen in unserem Terminkalender, die für unsere Zukunft sekundär sind? Schaut euch eure Wochenplanung an und streicht all diese Dinge. Wir sollten lernen, dass man nicht nur im Urlaub abschalten muss.

Tu es nicht wie Balu, der Bär 

Probier´s mal mit Gemütlichkeit? Genug davon. Ich wollte von Anfang an Abenteuer erleben und über meine Komfortzone hinauswachsen. Klar hätte ich jede Nacht in einem Hotel oder einem schönen Apartment schlafen können. Ich wagte jedoch das Neue und schlief per Couchsurfing bei fremden Männern und Frauen. Es wäre auch einfacher gewesen, mich mit dem Abschied aus Österreich von meiner vegetarischen Ernährungsweise zu verabschieden. Mit etwas Mühe kann man sich jedoch auch in einem für seinen extrem hohen Fleischkonsum bekannten Land wie Mexiko tierfrei ernähren. Mein Motto lautet also ab nun: more effort, more good experiences.

Mexiko, das Land der Toten?  

Nein, Mexiko ist nicht gefährlicher als jedes andere Land, vor dem man dich warnt. In Österreich warnen sie dich vor Slowaken. Die Slowaken warnen dich vor den Serben. Die wiederrum warnen dich vor den Russen und so geht der unendliche Zyklus weiter. In jedem Land, vor allem als alleinreisende Frau, ist dein Hausverstand dein bester Freund. Ein selbstsicheres Auftreten hilft genau so wie ein grundvorsichtige Einstellung. Natürlich gibt es überall Orte, die man meiden sollte. Deswegen gehört die Information zur A und O der Reisevorbereitung.

Costa Rica, das St. Tropez von Mittelamerika 

Ganz naiv dachte ich nach Mexiko, dass ich preistechnisch weiter mit weniger als zehn Euro pro Tag auskommen würde. Denn in Mexiko kannst du in einer Hängematte für vier Euro pro Nacht schlafen. Doch mein zweiter Stop Costa Rica belehrte mich etwas Besserem. Upsala, mich erwarteten europäische Preise. Wenn du hier günstig wegkommen möchtest und trotzdem lange bleiben willst, bleibt dir nur eine Möglichkeit: Arbeiten. Such dir ein Hostel, eine Farm oder eine gemeinnützige Organisation (Schildkröten retten!) und erhalte im Gegenzug Unterkunft und Essen. Kauf dir ein Surfbord als Sportprogramm und gestalte deine restliche Freizeit so günstig wie möglich.

Deine Probleme nimmst du mit auf Reisen

Nur weil du 10.000 km weit weg von deinen Sorgen bist, sind sie noch immer da. Dein Leben wird nicht automatisch geiler, nur weil du räumlich entfernt von deiner Heimat bist. Es gab Tage in Wien, an denen es mir nicht gut ging, Es gibt Tage in Südamerika, an denen es mir nicht gut geht. Die Probleme sind nur meist Andere. Während ich in Wien Zukunftsängste hatte, plagte mich auf dem neuen Kontinent des Öfteren starkes Heimweh. Doch, genau so wie eh und je, schaut die Welt am nächsten Tag schon wieder ganz anders aus.

Dein Leben ist voller Möglichkeiten 

Jetzt mal ganz ehrlich. Scheiß auf die internen und extern geformten Ur-Ängste wie Scham und Einsamkeit. Experimentiere mit deinen Ängsten und verwandle sie in Möglichkeiten. Kopf hoch, Handy weg, Löwenmut an. Grüße die Leute auf der Straße. Zu wie vielen Veranstaltungen, Essen und netten Gesprächen ich inzwischen nur durch ein angefangenes “Hallo” komme, ist unzählbar. Trau dich!

Die besten Tipps bekommt ihr weder in eurem überteuertem Lonley Planet-Reiseführer noch im Internet (außer bei uns, versteht sich), sondern dank Mouth to mouth Kommunikation. Ihr wollt den wirklich besten Strandabschnitt besuchen, Infos über die echt beschissenen Touristenfallen erfahren und in dem einen Restaurant essen, in dem sich in L.A die Stars vor Paparazzi verstecken? All das erfahrt ihr eben nur, wenn ihr Einheimische fragt. Also: weg mit der mitteleuropäischen Zurückhaltung, her mit dem travel flow.

 

Über die Autorin

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