7 TAGE VEGAN || “IST WODKA EIGENTLICH VEGAN?”

7 TAGE VEGAN || “IST WODKA EIGENTLICH VEGAN?”

Wir leben auf verschiedenen Kontinenten und wollen uns trotzdem gegenseitig motivieren und inspirieren. Deswegen stellen wir uns jeden Monat gegenseitig eine Aufgabe. Eine Challenge, die wir durchziehen müssen. Diesmal: Lara lebt eine Woche vegan. Mit vielen Fragen, Stolpersteinen und einer wichtigen Erkenntnis. Zum Nachmachen empfohlen.  

Ich mache es mir in Sachen Ernährung seit Jahren leicht. Ich war Alles-Esserin. Fleisch, Fisch, Eier, Milch, Gemüse, Süßigkeiten, fett, süß, scharf, salzig..ich aß sie alle 😉 . Eine Nacht während unserer Reise durch Mexiko hat mich jedoch schlagartig zur Vegetarierin gemacht. Für mich, ehemals Fleischesserin Nummer 1, beginnen nun 7 Tage ganz ohne tierische Produkte.

Warum? Rebecca ernährt sich schon lange fleischlos und großteils vegan. Ich esse erst seit einem Monat weder Fleisch noch Fisch. Selbst wenn ich es gewollt hätte, und diese Lustmomente gab und gibt es, kann ich mich nicht dazu überwinden. Für mich war alleine dieser Wandel schon ein Riesenschritt. Seit ich ein Kind bin, habe ich 2-4x pro Tag Fleisch beziehungsweise Fisch gegessen. Also verdammt viel. So viel, dass ich trotz ausgewogener Ernährung und Sport, in ein paar Jahrzehnten gesundheitliche Probleme bekommen hätte – laut meinem Arzt.

Tag 1: Alle tierischen Produkte werden an Eltern und Freunde verschenkt. Mein neuer Einkauf beim Diskounter meines Vertrauens besteht aus kiloweise Obst, Gemüse und Kohlenhydraten (Kartoffeln, Reis, Nudeln, Linsen), dazu allerlei Gewürze. Zum Frühstück habe ich mir bereits am Tag zuvor einen Chia-Pudding vorbereitet. Ich fühle mich leicht, luftig und locker. Und habe Lust auf Süßes. Meine Suche ergibt, dass es auch im herkömmlichen Supermarkt-Sortiment vegane treats gibt. Manner-Schnitten, Oreo (!), “Marzipan” von Ritter Sport und sehr dunkle Schokolade sind vegan. Eine Ausrede weniger.

Vegane Rezepte

Tag 2: Ich beschließe, meine Wandlung professioneller anzugehen. Auf Instagram frage ich Mitstreiter, welche Youtube-Kanäle und Blogs einem Vegan-Anfänger wirklich helfen? Ich bekomme überraschend viel Feedback. Eine vegane Online-Community, die bisher dank Wurst & Co. nicht an meinen Bildern interessiert war, stellt sich als große Unterstützung dar. Ich bekomme hunderte Empfehlungen. Blogs, Youtube-Kanäle, Bücher. Die größte Hilfe sind “What I eat in a day – vegan”-Videos. Ich werde ein Groupie von Jess und schaue jedes ihrer Videos 15 Mal. Hallo Inspiration. Meine Laune sinkt, als ich meine Tagesaufgabe von Rebecca erledige: eine Dokumentation über die Auswirkungen unseres hohen Fleischkonsums ansehen. Ihre Vorwarnung “danach bitte nichts vornehmen” nehme ich ernst. Zum Glück. Ich bin geschockt und wütend.

Tag 3: Ich verbringe den Tag in der Uni. Um nicht in Versuchung  zu kommen, habe ich für gefühlt eine Großfamilie Essen vorgekocht: Reis mit Linsen-Gemüsecurry, Avocado-Sandwiches und Spaghetti. Ich werde wohl die einzige Veganerin sein, die nicht abnimmt. Nachmittags zieht es mich dann doch noch zum Reformhaus. Ich gebe 35€ für einen kleinen Einkauf (Joghurt, Pesto, Riegel, Tofu) aus. Ist Vegan doch nur etwas für die Upper-Class? Nein, aber das war wohl ein typischer Anfängerfehler.

Vegane Rezepte

Tag 4: Iss drei Tiere pro Tag, nobody cares. Lebe ohne tierische Produkte, everbody loses his mind. Meine Familie schüttelt beim Heurigen-Essen ungläubig die Köpfe. Von was ich denn jetzt überhaupt lebe? Und ob ich so überleben kann? Zuhause recherchiere ich, ob Veganern bei einer nährstoffreichen Ernährung trotzdem bestimmte Stoffe fehlen. Die ersten Statistik schockiert mich ein wenig: Veganer nehmen rund ein Viertel der Menge von Vitamin D auf, die Fleischessen zu sich nehmen. Doch, HALT STOP. Diese Studie wurde an lächerlichen 6 Personen (!) durchgeführt. Ich muss keine Statstik studieren, um zu wissen, dass dieses Ergebnis nicht wissenschaftlich belegbar ist. Ich lese weiter. Laut einer anderen Studie nehmen Veganer weniger Calcium zu sich. Sie benötigen jedoch auch einfach weniger, da ohne tierisches Eiweiß eine wesentlich geringere Säurebelastung des Stoffwechsels herrscht. Einem Vitamin B12-Mangel lässt sich durch Bioprodukte aus reichhaltiger, keimhaltiger Erde vorbeugen. Eisen fehlt dem weiblichen Geschlecht grundsätzlich häufig – ob vegan oder nicht. Mehrere Forschungen verweisen darauf, dass Veganer durch ihre Ernährungsweise mit Vitamin B1, Vitamin C, Vitamin E, Folsäure und Magnesium sogar besser versorgt sind.

Tag 5: Ist Wodka denn jetzt eigentlich vegan? Ich stehe vor dem Regal des “immer-offen-Arabers” und bin überfordert. Ich google “veganer Alkohol” und stufe diese Suche sofort unter meinen “dümmsten Google-Suchen” ganz weit oben ein. Wodka ist vegan. Limetten und Zucker zum Glück auch.

Zwischen Tag 5 und Tag 6: Ich scheitere beinahe an der Dönerbude. Knapp schaffe ich es nach Hause und koche Pasta mit frischem Bärlauchpesto. Auch geil.

Tag 6: Vegan kochen unterscheidet sich nicht zu meiner normalen Routine. Schnell, einfach und lecker soll es sein. Mittags belege ich einen veganen Pizzateig mit Tomatensoße, Zucchini, Rosmarin und Gewürzen. Ich bin grundsätzlich kein Pizzakäse-Fan. Wer auf Käse nicht verzichten will, findet bei der schönen Frau mit der verstörenden Stimme diese easy Anleitung für veganen Käse.

Vegane Rezepte

Tag 7: Ich habe nicht abgenommen. Ich fühle mich nicht fitter. Die vegane Ernährung der letzten sieben Tage änderte bei mir also nichts an Figur und Wohlbefinden. Die wichtigste Erkenntnis ist vor allem: es ist so einfach. Ich musste mich nicht sonderlich einschränken. Ich habe viel weniger Geld für Lebensmittel ausgegeben. In so gut wie jedem Restaurant und Café und Wien gibt es vegane Gerichte – sogar auffällig ausgeschrieben, weil Trend.  Ich kann nur hoffen, dass dieser Trend bleibt. Meine Freunde waren sehr aufmerksam und bemüht, zusammen vegan zu kochen bzw essen zu gehen- muchos gracias an dieser Stelle.

Und nun? Aus dem Grund aus dem ich Vegetarierin bin, der Tiere wegen, ist die einzig logische Schlussfolgerung, vollkommen tierproduktsfrei zu leben. Angefangen bei veganer Ernährung bis hin zu “ich erschlage keine Spinnen mehr” und veganer Kleidung. Ich lebe heute achtsamer, friedvoller. Derzeit ernähre ich mich an zwei Tagen pro Woche gänzlich vegan und an den anderen fünf zu 80%. Ob mich diese Änderung zu einem besseren Menschen macht? Viele Mitmenschen nehmen mir meine Antwort vorweg: “Nein”. Denn ich kaufe bei Shops, die verantwortlich für weltweite Ausbeutung sind – von Mensch und Natur. Ich fahre täglich Auto und schädige damit der Umwelt enorm. Nein, ein Vorbild bin ich absolut nicht. Aber mein Umdenken hat gerade erst begonnen. Ich bin in meiner Findungsphase. Und ohne Rebecca, meine Inspiration und Muse, wäre ich nie an diesem Punkt angelangt. 

Über die Autorin

Leave a Reply