BACK IN WIEN || ICH BIN ZURÜCK UND FÜHLE MICH …

BACK IN WIEN || ICH BIN ZURÜCK UND FÜHLE MICH …

Am Anfang der Rückreise in die Heimat war die Vorfreude von Rebecca noch riesig. Sie freute sich auf all ihre Leute, auf Liebe, auf den Sommer und die Selbstfindung in Wien weiter zu intensivieren. Doch alles was sie beim Aussteigen des Flughafens in Wien wollte, war sofort nach Südamerika zurück zu fliegen.

Eine Woche lang ging dieses hin und her. Ja ich streitete regelrecht mit mir selbst. Ich fühlte mich als hätte ich soviel aufgebaut und jetzt falle alles auseinander. Kein Glück verspürte ich während meiner ersten Schritte durch Wien.

Sobald ich in Wien angekommen war, lief der Hase anders. Meine Angst holte mich ein. Das alte Verhaltensmuster tauchte auf. Ich zweifelte an allem und jedem und vor allem an mir selbst. Kurz dachte ich, ich drehe komplett durch und fragte mich ob ich meine ganze Reise nur erträumt hatte. Ein schöner Traum, der nun harter Realität wich.

Ich fing an mich selbst zu kritisieren. Wer bin ich jetzt wirklich und was möchte ich sein? Möchte ich wieder fünfmal die Woche shoppen gehen, eine Stunde vorm Schrank stehen um das perfekte Outfit zu finden, morgens zwei Stunden im Bad verbringen bis ich perfekt aussehe? Oder möchte ich wie auf meiner Reise mehr in mich kehren, weniger Wert darauf legen was Andere denken und dafür mehr Wert darauf legen, dass ich zufrieden mit mir bin? 

Ich muss jetzt sofort einen Job finden, ich muss eine Wohnung finden, ich muss in die Fahrschule, ich muss dies und jenes planen, ich muss kreativ sein, ich muss jeden Tag Yoga machen, ich muss…Breakdown. Man muss dazu sagen, dass ich in Extremen lebe. Die Hochs sind sehr hoch. Die Tiefs sehr tief. Aber dieses Tief hatte ich nicht vorausgesehen und es zieht mich tief in einen schwarzen Strudel. Voller Selbstzweifel, Zweifel an mir und meinem Lebensplan.

Nach drei Tagen an denen ich mich bei Mama verkrochen hatte, verstand ich: Ich hatte das schönste und intensivste Jahr meines Lebens. Ich muss mir Zeit geben. Zeit, um das letzte Jahr zu verarbeiten und anzukommen. Es ist krass wie lange es dauert bis man lernt, dass man nicht immer machen muss sondern auch einfach sein darf. Und plötzlich stecke ich wieder im alten Verhaltensmuster. Verbissen suchte ich nun nach dem ICH,  zu dem ich herangereift war. Nach 14 Monaten auf Reisen von mir zu erwarten an Tag Eins seelisch anzukommen und super glücklich zu sein war ein sehr romantischer Gedanke. Die Realität sieht eben anders aus.

Kennt ihr das? Da kommt dieser Punkt an dem man glaubt „angekommen“ zu sein. Man glaubt endlich zu wissen was man will. Man erfüllt sich seinen Kindheitstraum. Kaum ist man in seinem alten Umfeld – *Blubb*, platzt diese Seifenblase. Es ist ein durchaus angenehmer Gedanke, sich vorzumachen man sei angekommen. Doch ein Ankommen gibt es in Wahrheit nicht, es gibt nur weitere Wünsche und Träume die sich auf der Reise entwickelt haben. Das Gefühl nicht angekommen zu sein ist kein schönes Gefühl aber es bedeutet auch, dass ich noch etwas vor habe. Da kommt noch was. Ich bin noch lange nicht fertig. Und das fühlt sich gut an.

Es ist nun noch wichtiger als davor mir selbst Aufmerksamkeit zu schenken. Mich nicht zu zwingen. Mich, so kitschig es klingt, selbst in den Arm zu nehmen und für mich da zu sein. Denn wenn ich es selbst nicht bin, wer ist es dann? Ich weiß aus Erfahrung: Genau dann wenn es sich anfühlt als wird der Boden unter den Füßen weggezogen, ist es Zeit für einen Wandel. Negative, ausraubende Energien können in positive Motivation umgewandelt werden. Von uns selbst. Alle Ideen und Visionen die ich von mir und meinem Leben habe, sind nicht auf einmal und sofort umzusetzen. Es ist ein Prozess und das auf diesen Prozessbegriff runter zu Brechen und zu Akzeptieren, dass ich nicht weiß wer ich sein werde ist befreiend. 

Ich stand mir selbst noch nie so nahe. Nach zwei Wochen in Wien habe ich wieder zu mir gefunden. Ich akzeptierte, dass es okay war schlecht gelaunt und lustlos zu sein. Ich gebe mir nun Zeit, alles Erlebte zu verarbeiten. Und sie fließt weg – die Wut an der ich festhielt.

Ich bin wieder mit meinem Cousin zusammengezogen, treffe mich mit dem wohl temperamentvollsten Mensch den ich kenne – meiner Mama, weine vor Lachen mit Lara. Und bis ich einen Job gefunden habe, der mir über den Sommer meine Existenz sichert, konzentriere ich mich auf ein tägliches Yoga Training.

Auf Reisen wird man zum Beobachter und wenn man zurück kommt wird man zum Geschichten-Erzähler. Bei meiner Ankunft war ich total überfordert mit diesem Gedanken. Wenn ich raus ging packte ich mich so ein, dass mich ja niemand erkannte und mir irgendwelche Fragen stellt. Jetzt wo ich wieder bei mir bin und akzeptiere zurück zu sein genieße ich es meine Erlebnisse zu teilen. Die geschockten, inspirierten oder vor Lachen weinenden Gesichter dabei sind Gold wert. Denn was sind meine Erfahrungen und mein Wissen wert, wenn ich sie nicht teile?

Über die Autorin

2 Comments

  • Sophie Mai 14, 2017 at 12:42 pm

    Liebe Rebecca, ich kann jedes Wort nachempfinden. Ich war letztes Jahr ein Jahr in Afrika und es war das tollste Jahr, das ich je hatte. Meine Rückkehr nach Wien war hart und es ist immer noch nicht immer leicht. Dass du nach 2 Wochen schon sagen kannst, wieder zu dir gefunden zu haben und einfach zu sein und gut zu dir zu sein ist beeindruckend. Ich arbeite nach 5 Monaten noch daran zu akzeptieren, dass ich wieder da bin.
    Toller Eintrag und diejenigen die einmal solange weg waren und es genossen haben werden genau verstehen wie du dich fühlst.
    Besonders nachvollziehen kann ich die Selbstzweifel und das Müssen.

    Ganz liebe Grüße von einer Mitstreiterin der Reintegration

    • mm
      Moresmore Mai 15, 2017 at 12:51 am

      Liebe Sophie,

      natürlich muss auch ich mich jeden Tag auf’s neue daran erinnern gut zu mir selbst zu sein.
      Danke für dein Feedback und dein sehr persönliches Kommentar!

      Ganz liebe Grüße!
      Rebecca

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